Out of area: Jagdhaus zur güldenen Füchsin

Out of area: Jagdhaus zur güldenen Füchsin

September die Schatten liegen wie gestapelt
hinter der Remise
wir haben uns verschanzt denn wieder
war es sinnlos was wir riefen: Parolen
wie Ostern Neunundneunzig da
hörten wir die Hunde kläffen – die schöne Füchsin
sahn wir rasch zum Staatswald wechseln
parole erinnerte entfernt an königliche Jagden
im Wald von Fontainebleau dem alten
Bündniswald und hier das Grenzgebiet
war lang geräumt es fiel auch längst kein Schuß
kein Gegner für die NATO mehr auf grüner Heid
die kapitalen Hirsche trugen Luftmatratzen
auf den Enden es war noch Zeit
die Selbstauflösung abzuwenden

Wir treten leis in die Remise und rücken
was dort rostet vorsichtig ins rechte Licht
ein Scheppern ungespannter Tellereisen
schreckt uns auf: die Füchsin
im Herbstlicht flüchtig ihre Farbe
im Rauschen von der Bundesstraße
ein Knall – wir halten still
die Füchsin steht jetzt zwischen uns in der Remise
unverletzt und leuchtend wie September
als wir hofften
es ließe manches sich noch ändern

V. Daniela Danz – Buchcover

V. Gedichte
Wallstein Verlag, Göttingen 2014
ISBN: 978-3-8353-1377-4
Preis: 16,90 Euro

Stunde Null: Loop

Stunde Null: Loop

Die Linde hat all ihre Blätter verloren
und vom Sommer blieb nichts als
der Wunsch dem alten Deutschland
noch einmal den Kopf zu kraulen
und zu versprechen dass seine Enkel
sich besser erinnern werden – was nützt
ein Gedicht wo die anwachsenden
Berge der Dinge zum Jodeln zwingen

V. Daniela Danz – Buchcover

V. Gedichte
Wallstein Verlag, Göttingen 2014
ISBN: 978-3-8353-1377-4
Preis: 16,90 Euro

Die schnellen Züge halten kaum in unsrer Gegend

Die schnellen Züge halten kaum in unsrer Gegend

wer sieht den Weg schon hier das Feld umfassen
seitlich so als hielte er allein es davon ab
das Korn mit einer Husche in die Furchen zu verstreuen
so wie die Männer hier auf Rädern sich begrüßen
es nichts bedarf als eines Nickens anerkennend
um zu sagen: ich seh du lebst
vom Zug aus ist das alles immer schon in rechts
und links geschieden bleibt die Landschaft nur ein Anblick

Waren zwei aus dieser Gegend die sich neulich
an einem dieser Landschaftstage wo man sich
vom Zug aus träumt wie hier ein Leben gehen könnte
zwischen Leißling und dem Wehr bei Weißenfels
auf die Gleise legten – kam der Zug zum Stehen
war die Welt am Ziel des schnellen Zuges aus den Fugen
sah ein Reisender nach langem Stehen in der mitteldeutschen
Leere tatsächlich einen Unterschied im Weiß
der Häuser an der Straße die zum Waldrand führt

Wir standen hoch auf Goseck sahen fern den Staub
der Dreschmaschinen über Eulaus Steinzeitgräber ziehen
die die stark verletzten Schädel aller 13 Toten bargen
den Zug den einer der das alles eher als wir verstand
wie eine Gliederkette durch die Ebne zog
sahen wir und wußten nicht warum er hielt hier
in unsrer Gegend wo die Züge selten halten
ein früher Herbsttag war das und die zwei die waren
aus der Landschaft ganz heraus gerissen oder ganz
in sie hinein – wir gingen weg als sie den Fahrer
wechselten eines schnellen Zuges der jetzt langsam anfuhr

V. Daniela Danz – Buchcover

V. Gedichte
Wallstein Verlag, Göttingen 2014
ISBN: 978-3-8353-1377-4
Preis: 16,90 Euro